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Diablo 3: Durch die Nacht mit dem Fehlerteufel
Kaum ein anderer Entwickler lässt sich bei der Fertigstellung seiner Spiele mehr Zeit als Blizzard. Und keiner wird von seinen Fans für diese Form des Perfektionismus mehr vergöttert. Doch bei "Diablo 3" waren die Kalifornier drauf und dran, den Bogen zu überspannen. Zwölf Jahre sind seit der Veröffentlichung des zweiten Teils vergangen. Doch enervierend waren allein die Stunden bis zum Spielstart - nicht zuletzt, weil Blizzard den Ansturm aufs eigene Produkt unterschätzte. Die Folge: In der Nacht zum 15. Mai, als der Online-Startschuss zu "Diablo 3" fiel, tat sich erst einmal überraschend wenig. Vielmehr trieb der "Fehler 37" die Käufer des Actionrollenspiels zur Verzweiflung. Das Protokoll einer ersten langen Testnacht mit Blizzards durchtriebener Monsterhatz.
14. Mai, 22.00 Uhr: Auf dem Alexanderplatz in Berlin beginnt die offizielle "Diablo 3"-Premierenfeier. 4.500 Leute kommen. Nicht wegen der Live-Band. Eher wegen der Gratis-T-Shirts, ein paar Blizzard-Entwicklern, die sich die Ehre geben - und natürlich wegen der Hoffnung, ein Game gratis abstauben zu können. Unser Testexemplar kam heute morgen mit der Post ...
14. Mai, 22:51 Uhr: Ich bin nicht alleine. Dutzende Kollegen aus der Games-Branche und Freunde posten auf Facebook, Google+ und Twitter Screenshots vom Fortschrittsbalken ihrer "Diablo 3"-Installation. Aber selbst, wenn die 100 Prozent erreicht sind: Gespielt werden kann erst ab 00.00 Uhr. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Die gut zwölfjährige Wartezeit auf Teil drei von Blizzards teuflischer Klickorgie - oder die wenigen Stunden zwischen dem Öffnen des Postpakets und der Freischaltung der Server.
14. Mai, 23:16 Uhr: Noch 45 Minuten. Zeit für Zahlen und seltsame Rekorde - so wie diesen hier: "Diablo 3" ist laut Hersteller Blizzard das am meisten vorbestellte PC-Spiel aller Zeiten bei Amazon.com. Aha. Konkrete Zahlen gibt's zwar keine. Dafür die Info, dass Amazon "ausverkauft" sei. Respekt.
14. Mai, 23:30 Uhr: Der Hype um das Spiel hat nicht nur die Presse, sondern wohl auch Online-Gangster gierig gemacht. Die Pressemeldung einer IT-Sicherheitsfirma macht die Runde, wonach jede Menge Webseiten erstellt wurden, auf denen man einen kostenlosen "Diablo 3"-Freischalt-Code bekommt, sofern man sensible Informationen hinterlässt. "Survey Scams" nennen das die Experten und warnen - höhö - vor dieser "teuflisch guten Masche".
14. Mai, 23:59 Uhr: Der Countdown tickt. Die Teufelsaustreibung 3.0 beginnt gleich ... Nervös? Come on!

15. Mai, 00:01 Uhr: Es ist passiert - nämlich nichts. Die Server von Blizzard kapitulieren. Ein Login ist nicht möglich. Jetzt bin ich nervös...
15. Mai, 00:15 Uhr: Millionen Vorbesteller waren wohl zu viel. Die Online-Plattform Battle.Net stellt sich tot und meldet den "Fehler 37" im Akkord: "Die Server sind momentan ausgelastet. Versuchen Sie es später wieder." Dabei dürften jetzt die ersten deutsche Fans von den Mitternachtsverkäufen bei Mediamärkten, Saturns und Gameshops wieder nach Hause kommen.
15. Mai, 00:25 Uhr: Kein Lebenszeichen vom Battle.Net, jener Online-Plattform, die zum Spielen von "Diablo 3" benötigt wird. Der Login-Button verweigert den Dienst. Zeit, sich dem dünnen Handbuch der Standard-Version oder dem Bonus-Schnickschnack (inklusive "Diablo"-Schädelplastik) der Collectors Edition zu widmen - oder sich nochmal über die Klassenwahl Gedanken zu machen ...
15. Mai, 00:26 Uhr: In der engeren Wahl: der Barbar. Der Typ will einfach im Mittelpunkt stehen! Mit einem gewaltigen Satz wirft er sich ins Geschehen und wütet mit Äxten, Knüppeln, Schwertern. Apropos: Wut ist seine Sonderressource, mit der er Wirbelwindattacken startet oder wie ein Irrer die Gegner zusammenschreit ...
15. Mai, 00:34 Uhr: ... oder vielleicht doch lieber der Hexendoktor? Sehr exotischer Charakter. Nicht nur wegen des Federkopfschmucks! Mit seinen Vodookräften ruft er unterschiedlichste Kreaturen wie Feuerfledermäue, Kröten, Höllenhunde oder den mächtigen Koloss herbei, die für ihn die Drecksarbeit erledigen und sich auf die Gegner stürzen.
15. Mai, 00:51 Uhr: Alles Makulatur, solange die Server in Europa nicht online sind. Asiate müsste man sein. Im fernen Osten stehen alle Zeichen auf "Go".
15. Mai, 01:08 Uhr: Die ersten europäischen Server schalten von rot auf grün - doch "Diablo 3" ist nach wie vor ein Glückspiel. Oder besser gesagt: wie der Besuch in einem Szeneclub. Viele wollen rein, nur wenige schaffen es - und die Hälfte wird wieder rausgeworfen.
15. Mai, 01:15 Uhr: Die Geduld der Blizzard-Fans kennt offenbar doch ein Ende. In zahlreichen Foren regt sich der Unmut über die Blauäugigkeit des Herstellers und den Online-Zwang. Die ersten gehen genervt ins Bett.
15. Mai, 01:20 Uhr: "Eilmeldung" von Blizzard nach fast eineinhalb Stunden: "Aufgrund einer hohen Anzahl gleichzeitig angemeldeten Spielern sind die Login-Server derzeit überlastet." Sorry für die Unannehmlichkeiten ...
15. Mai, 01:42 Uhr: Drin! Nach unzähligen Login-Versuchen und ebenso vielen Fehlermeldungen darf ich endlich ein Spiel starten und meinen Charakter erstellen: Waldemar der Waldbarbar ...
15. Mai, 01:48 Uhr: Für jene, die bereits vor wenigen Wochen die Beta-Version spielten, keine Überraschung mehr, für alle anderen ein wenig ernüchternd. "Diablo 3" ist alles andere als ein Grafikfeuerwerk. Die Texturen sind verwaschen, die Umgebungen karg und die Splattereffekte mitunter derbe. Dennoch: Der Jäger- und Sammlertrieb springt an, als die ersten magischen Gegenstände von erschlagenen Monstern fallen gelassen werden. Ein neugieriger Klick auf die beiden Auktionshäuser im Spiel, in denen erbeutete Klingen und Rüstungen entweder für virtuelle Goldstücke oder echtes Geld den Besitzer tauschen sollen, endet im Absturz. "Fehler 65" ...
15. Mai, 02:30 Uhr: Verdammt! Ich bin dem Teufel auf den Leim gegangen. Mal wieder. Waldemar hat mittlerweile Stufe 7 erreicht und ist dabei in Kontakt mit dem neuen Talentsystem gekommen. Das unterscheidet sich von den Vorgängern gewaltig. Fertigkeitenbäume und frei verteilbare Upgrade-Punkte gibt's nicht mehr. Stattdessen werden neue Fähigkeiten in vorgeschriebener Reihenfolge freigeschaltet. Rund 20 davon besitzt jeder Charakter, aber nur sechs lassen sich gleichzeitig nutzen. Und dann sind da noch die Runen ...
15. Mai, 02:35 Uhr: Mit Runen lassen sich die Fertigkeiten der Helden modifizieren. Im Gegensatz zu den Vorgängern handelt es sich dabei aber nicht um Gegenstände, sondern um schlichte Buttons im Talent-Menü. Und so funktioniert's: Für jedes Basistalent gibt es bis zu fünf Runen, die die Wirkungsweise der Fähigkeit verändern. Der Hexendoktor beispielsweise kann einen Schwarm kleiner Spinnen herbeirufen - oder eine große ... Waldemar dagegen kann seine Feinde erst taumeln lassen und dann aus den Latschen hauen - oder mit Nachdruck aus den Latschen hauen.
15. Mai, 03:10 Uhr: Fehlermeldung. Verbindung getrennt. Menübildschirm. Und das, während Waldemar gerade ein halbes Dutzend Kryptas nach der Krone des Skelettkönigs durchforstet hat und nur noch ein Grabmahl fehlte. Neustart also. Und Neuland! Das Programm hat ihn in einer neuen Zufallslandschaft ausgesetzt, alle Gegner wiederbelebt und die Krone neu versteckt ... Muss das sein?
15, Mai, 04:45 Uhr: Der rechte Zeigefinger wird müde, aber der Wille ist stark: Der böse Skelettkönig muss noch dran glauben ...
15. Mai, 05:13 Uhr: Der Skelettkönig ist besiegt - damit endete die Beta-Version. Doch "Diablo 3" scheint nun erst richtig loszugehen. Ein Fremder ist vom Himmel gefallen. Was es mit ihm auf sich hat?
15. Mai, 05:37 Uhr. Ein erstes Zwischenfazit nach der ersten Nacht mit "Diablo 3"? Der "Fehler 37" hat sich auf ewig in mein Gedächtnis gebrannt. Der Start dieses Multimillionen-Projekts verlief holpriger als befürchtet. Echtes Spielen war erst eineinhalb Stunden nach Mitternacht möglich. Aber auch dann brach immer wieder die Verbindung zu den überlasteten Servern ab. Aber heute ist schließlich auch noch ein Tag ...
Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie zu Diablo 3 (siehe oben!)
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