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2 April 2012 | Von Jens-Ekkehard Bernerth

"Mass Effect 3" im Test: Ein Ende mit Schrecken

Mit viel Bombast wird die "Mass Effect"-Trilogie von Erfinder Bioware zu einem Ende gebracht. Doch ist nicht alles überzeugend an "Mass Effect 3", das unter Fans sogar für einen Aufruhr sorgte.


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Abgelichtet: "Mass Effect 3" (Bild: EA)

Commander Shepard und sein Squad (© EA)

Commander Shepard und sein Squad

Oh süßer Protest: Mit 400 selbstgemachten Cupcakes wollten Fans Entwickler Bioware dazu bewegen, das Finale des SciFi-Epos "Mass Effect 3" zu ändern. Denn damit sind sie alles andere als zufrieden. "Enttäuschend" ist nur ein Wort, das im Zusammenhang mit dem Ende des Action-Rollenspiels fällt. Zuvor hat schon eine Petition versucht, Geld zu sammeln, das die Initiatoren der "Retake Mass Effect"-Aktion der Wohltätigkeitsorganisation "Child's Play" spendeten. Beim Stand von circa 74.000 US-Dollar wurde die Aktion jedoch abgebrochen. Ihr Ziel erreicht haben die Fans: sie wurden gehört.

Bioware ziert sich jedoch, etwas an den letzten Minuten des Spiels zu ändern - und erhält dafür Rückendeckung von anderen namhaften Entwicklern. Irrational Games-Boss Ken Levine, jüngst von der "Times" zu einem Kandidaten für die Liste der 100 einflussreichsten Menschen erhoben, und "Mythic"-Creative Director Paul Barnett verteidigten die Entscheidung der Kanadier. "So wie J.K. Rowling ihre Bücher enden lassen und sagen kann 'das ist das Ende von Harry Potter', können sie nicht gezwungen werden, ihr Ende umzuschreiben", so Barnett. Levine sieht die Sache ähnlich: "Mich macht die ganze Sache etwas traurig. Denn ich glaube nicht, dass weder Macher noch Fans glücklich wären, wenn sie bekommen würden, was sie verlangen."

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Doch ist die Aufregung wirklich berechtigt? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten, ist es im Endeffekt doch eine persönliche Frage des Geschmacks, weshalb wir hier nicht näher drauf eingehen - ganz im Gegensatz zu dem, was vor dem Finale geschieht. Denn hier zeigt Bioware seine ganze Stärke - und auch seine Schwächen.

Doch der Reihe nach.

"Mass Effect 3" knüpft unmittelbar an den Geschehnissen des zweiten Teils mitsamt den Download-Inhalten an: Die Maschinenwesen Reaper sind erwacht, um so gut wie das gesamte Leben in der Galaxie auszulöschen. Der Spieler muss in Person von Commander Shepard die gnadenlosen Wesen aufhalten - doch braucht er dafür Verbündete.

Bioware-Veteranen werden es bereits an dieser Stelle schon ahnen: Wie in den Vorgängerteilen oder "Dragon Age" kann erst dann erfolgreich in den Krieg gezogen werden, wenn das Team aufgestellt ist beziehungsweise die Völker geschlossen hinter dem Helden stehen, um den Untergang abzuwenden.

Das mag zwar im ersten Augenblick etwas banal klingen, wurde von Bioware aber äußerst anspruchsvoll und vor allem unterhaltsam verpackt. Es gibt ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Figuren aus den Vorgängerteilen, und natürlich nimmt das Spiel Bezug auf die erlebten Ereignisse der ersten Teile, sollte ein Spielstand importiert worden sein.

Die Erde...

Ein Novum: Erstmals findet die Handlung der Erde statt, zumindest am Anfang. Und der hat es in sich: Wie die Reaper mit einer Urgewalt über den blauen Planeten hereinbrechen, ist nicht nur beeindruckend, sondern auch richtig dick inszeniert - tragische Momente inklusive, die von Anfang an zeigen, dass gefällte Entscheidungen ihre Konsequenzen und Auswirkungen haben.

Nach dem rasanten Weltuntergangsstart fällt "Mass Effect 3" in den gewohnten Trott zurück. Sprich: Hauptaufträge und Nebenaufgaben wollen erfüllt, viele Gespräche geführt, Crew und Streitmacht aufgebaut sowie Planeten gescannt werden. Glücklicherweise ist das Scannen der Himmelskörper nach Rohstoffen gestrichen worden, stattdessen werden die Sterne in einem beschleunigten Verfahren nach Artefakten, Benzin oder Credits abgesucht, auch oft im Rahmen von kleinen Nebenmissionen. Diese dienen zwar im großen und ganzen der Sache, nämlich der Errichtung einer Abwehrwaffe und einer intergalaktischen Streitmacht gegen die Reaper, trotzdem bleibt der schale Eindruck zurück, dass die Aufträge in erster Linie ein Mittel zum Zweck sind, um die Spielzeit zu strecken.

Lob und Tadel

Besser gelungen sind die Hauptmissionen, die spannend und teils tragisch ausgefallen sind. Zwar verlaufen sie typisch für die Reihe in streng vorgegebenen Schlauchleveln, doch sind sie großteils hervorragend inszeniert - etwa wenn ein gigantischer Reaper Shepard und seine Crew mit einem dicken Laser beschießt und seine Horden auf das Trio loslässt. Die Moorhuhn-artigen Sequenzen an stationären Geschützen hätte sich Bioware allerdings auch sparen können.

Die KI-gesteuerten Gefährten sind einigermaßen clever ausgefallen, ihre wahre Schlagkraft entfalten sie gegen die zahlreichen Gegner jedoch erst, wenn anhand des Fähigkeitenmenüs gezielt die Spezialkräfte ausgelöst werden. Nicht verständlich ist es, warum es einerseits möglich ist, die KI-Kollegen zu heilen, selbst aber wiederum nicht von ihnen ins Leben zurückgeholt zu werden, wie es beispielsweise bei "Gears of War 2" der Fall ist.

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