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E3: Ubisoft und das Spiel mit dem Spiel von morgen

Jens-Ekkehard Bernerth
Wenn es Microsoft und später Sony nicht tun, dann muss eben Ubisoft es machen: Eine kleine Sensation enthüllen. "Watch Dogs - Connection is power" heißt besagte Sensation, die bei Ubisoft Montreal hinter verschlossenen Türen entsteht. Im Spiel geht es um Supercomputer, die das tägliche Leben bestimmen: Sie regeln den Ampel- und Bahnverkehr, reguliren Atomkraftwerke und sorgen für Telefonverbindungen. In dieser Welt - unserer Welt - ist alles ein Datensatz, auch der Mensch. Was aber passiert, wenn man diese Macht ausnutzen und manipulieren kann?
Zur Beginn der Demo sieht der Titel noch unspektakulär aus. Creative Direktor Jonathan Morin läuft mit dem coolen Charakter herum, und mit Hilfe seines magischen Telefons lässt er beispielsweise in seinem Umfeld alle Smartphone-Verbindungen unterbrechen oder holt sich Informationen über seine Mitmenschen ein, etwa über deren Krankenstand oder finanzielle Verhältnisse. Denn wie gesagt: Alles ist heutzutage elektronisch erfasst.
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In einem Club nimmt das Geschehen an Fahrt auf. Der Protagonist will einen bestimmten Typen anlocken. Dazu scannt er die Umgebung und hört das Telefongespräch der Assisstentin des Mannes ab. Schließlich rennt er los, haut auf dem Weg zur Straße noch einen Wachmann um - und dann dreht "Watch Dogs" auf. Zuerst fallen die Wettereffekte auf: Es hat zu regnen begonnen, der lange Mantel des Helden wird nass, die Straßen und vor allem die Reflektionen der Lichter und der Umgebung sehen fast schon fotorealistisch aus.
Mittels des Telefons werden die Ampeln manipuliert, was einen furchtbaren Verkehrsunfall zur Folge hat. Autos werden weggeschleudert, verkanten ineiander, es kracht und scheppert, und dann fliegen noch blaue Bohnen. In bester Matrix-Manier wird die Zeit verlangsamt, während der Held das Feuer erwidert. Toll sind die Details: In einem Auto sitzt ein Paar, die Frau ist offenbar tot - ob durch den Unfall oder einen Querschläger, ist nicht bekannt. Ihr Partner weint verzweifelt, schüttelt und rüttelt an ihr, bis der Protagonist die Beifahrertür aufmacht, ihn aus dem Auto und somit aus der Schusslinie holt.
Effekte von morgen
Er geht hinter dem Wagen in Deckung, und während die Kugeln einschlagen, verformt sich das Blech - ein Schadensmodell erster Klasse. Im Hintergrund gibt es eine riesige Explosion, die Flammen lecken und züngeln fantastisch animiert in den Himmel. Auch die Kameraführung kann zumindest in der Demo als filmreif bezeichnet werden. Dann zoomt das Geschehen auf das Dach, wo plötzlich ein zweiter Spieler steht - "Watch Dogs" hat offenbar mindestens einen Zweispielermodus, wenn nicht gar die Möglichkeit noch mehr Spieler auf einmal miteinander spielen zu lassen.
Interessant dürfte auch werden, inwieweit die Balance zwischen purer spielerischer Freiheit und Lenkung des Spielers durch Vorgaben der Entwickler ausfällt, und das Verhältnis zwischen Geballer und verdecktem Vorgehen. Nähere Details sind keine bekannt, denn nach der Präsentation war die Ubisoft-Pressekonferenz kommentarlos vorbei.
Verständlich, denn bislang sind weder eine Playstation 4 noch eine Xbox 720 offiziell angekündigt, und die Power der Wii U reicht definitiv nicht für eine Grafikqualität wie die von "Watch Dogs" aus - die aktuelle Konsolengeneration erst recht nicht.
Wii U als Zukunftsplattform?
Apropos Wii U: Ubisoft positioniert sich als einer der fleißigsten Partner für die neue Nintendo-Konsole. Vielversprechend ist vor allem "Rayman Legends", das fünf Spieler gleichzeitig spielen lässt und mit seiner humorvollen knuddelig-bunten Inszenierung großen und kleinen Kindern gefallen dürfte - im Gegensatz zu "Zombi U".
Vor 26 Jahren war "Zombi" der erste Titel des frisch gegründeten Unternehmens, nun wird "Zombi U" einer der Starttitel für die Wii U - allerdings nur für Erwachsene, im toll gemachten CGI-Trailer spritzt das Blut literweise, rollen Köpfe und baumeln Gedärme. Definitiv nichts für schwache Gemüter, und generell steht hinter einer USK 18-Freigabe ein dickes rotes Fragezeichen.
Überhaupt hat Ubisoft CGI-Filme als Appetitanreger für sich entdeckt, auch von "Splinter Cell: Blacklist" - das mit dem aus "Conviction" bekannten Coop-Modus ausgeliefert wird und "The Avengers - Battle for Earth" gibt es nur Rendermaterial zu sehen.
Connor sorgt für Jubel
Beim Publikumsliebling "Assassin's Creed 3" brandet am meisten Applaus auf. Ansonsten hat Ubisoft noch "Far Cry 3" und "Just Dance 4" inklusiv Dance-Star Flo Rida mit nach LA gebracht, letzterer sorgte gleich zu Beginn der Show für ausgelassene Stimmung im Saal. Mehr dazu erfahren Sie im Live-Ticker zu Pressekonferenz.
Bleibt als Fazit: Ubisofts Konferenz startete furios und endete fulminant. "Watch Dogs" ist DIE Überraschung bisher. Ob sich das heute im Lauf des Tages ändert, wird sich zeigen.
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