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Spotify: Fluch oder Segen? Eine Abrechnung

Spotify
Musik ist seit jeher ein begehrtes Gut. Schon in den 70ern und 80ern wurden Tonträger wie Kassetten oder CDs überspielt, mit dem Aufkommen des Audiokomprimierungsformats MP3 und der flächendeckenden Verbreitung von Breitband erreichte der globale Tausch von Liedern und Alben eine neue Dimension.
Der Beginn des neuen Jahrtausends war auch die Boomzeit der Tauschbörsen. Plattformen wie Kazaa, Limewire, Audiogalaxy und vor allem Napster entwickelten sich zum Liebling der Musikfans - und zum Schrecken der Musikindustrie, die den Trend der digitalen Musik total verschlafen hatte und nun aufgrund des kostenlosen Treibens ihre Felle wegschwimmen sah.
Dementsprechend heftig gingen Musiker und Verbände wie die US-amerikanische RIAA oder die Metalband Metallica gegen die Tauschbörsen vor und verklagten die Macher und die Nutzer der Programme. Auch in Deutschland hatte das wilde Treiben eine Verschärfung der Urheberrechte und diverse Abmahnungen zur Folge. Als Konsequenz ist heute nicht nur das Anbieten urheberrechtlich geschützter Inhalte strafbar, sondern auch das Herunterladen. Zwar wurde Filesharing dadurch nicht komplett ausgerottet, jedoch erheblich erschwert und für viele Nutzer zu umständlich und gefährlich.
Mit legalen Angeboten in ein neues Zeitalter
Für die Plattenfirmen ein großer Erfolg, zumal legale Angebote wie iTunes (ab 2001), Musicload (ab 2003) und später der MP3-Store von Amazon für klingelnde Kassen im digitalen Musikvertrieb sorgten, den Plattenfirmen inzwischen sogar als wichtigen Wachstumsmarkt wahrnehmen.
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Für Musikfans brachen damit allerdings dunkle Zeiten an: Zwar konnten neue Bands noch über Plattformen wie Youtube, MySpace oder Last.fm kennengelernt werden, doch nur noch wenig komfortabel, eingeschränkt und selten in einer zufriedenstellenden Qualität. 20 bis 30 Sekunden lange, rumpelnde Schnipsel in den legalen Angeboten sind alles andere als aussagekräftig, um ein Kaufurteil zu fällen. Vor allem für berufstätige Musikfans, die nicht nachmittags stundenlang in einem Plattenladen CDs durchhören konnten, eine äußerst unbefriedigende Epoche. Immerhin fielen im Lauf der Jahre die kundenunfreundlichen DRM-Maßnahmen weg.
Millionenauswahl für alle
Doch mit Spotify scheint diese triste Zeit tatsächlich ein Ende zu finden. Denn der Dienst hebt sich durch eine für Musikfans vorteilhafte Option von den Konkurrenten wie Simfy, Rdio, Juke oder Napster ab: er bietet sein 16 Millionen Songs umfassendes Sortiment kostenlos an. Die ersten sechs Monate sogar ohne Einschränkung, danach auf zehn Stunden pro Monat und fünf Runden pro Song beschränkt. Trotzdem ein äußerst großzügiges Angebot, was der Grund sein dürfte, dass von den zehn Millionen Kunden nur drei Millionen eine der kostenpflichtigen Varianten nutzen.
Denn Spotify ermutigt geradezu, sich in den Weiten des reichhaltigen Katalogs umzusehen. Ganze Alben stehen zur Verfügung, die in absolut ausreichender Qualität mit 160 kbps durch die Leitungen fließen, hin und wieder unterbrochen von unaufdringlichen, kurzen Werbeeinblendungen.
Da werden verwandte Künstler angeboten, Freundesempfehlungen angezeigt und können Songs in sozialen Medien wie Twitter oder Facebook gepostet werden. Apps erweitern die Funktionalität des Dienstes noch um Liedtexte oder Biografien, auf Wunsch gibt es auch eine Karaokeapp oder von Eventim die Konzerttermine der Heimatstadt.
Kurz: Für ehrliche Musikfreunde, die sich die entsprechenden Alben oder Lieder nach dem ersten Anhören on- oder offline im Laden kaufen, eine Goldgrube. Noch nie zuvor war es einfacher und komfortabler, neue Musik zu entdecken.
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