Fröhliche Kunden und fröhliche Mitarbeiter beim Verkaufsstart des neuen iPads.(Jens-Ekkehard Bernerth)

München, halb acht Uhr morgens: Ein schöner Tag über Bayerns Hauptstadt. Das prächtige Rathaus streckt sich der Sonne entgegen, und ein paar Schüler und Berufstätige flanieren gemächlich über den Marienplatz, um in die Schule oder die Arbeit zu kommen.

Ein ganz anderes Bild bietet sich in der Rosenstraße, die direkt an den Marienplatz grenzt. Hier hat sich eine mehrere hundert Meter lange Schlange gebildet. Sie alle haben nur ein Ziel: Im Apple Store eines der neuen iPads zu ergattern. Angst, leer auszugehen, müssen sie nicht haben. Nach Angaben eines Apple-Store-Mitarbeiters sollten "genügend Geräte für alle" da sein.

Gute Nachrichten für die Apple-Jünger, die teils schon seit zwölf Stunden in der Fußgängerzone campierten, um das Tablet mit dem knackscharfen Retina-Display als erste zu ergattern. Aus den knapp 30 hartgesottenen Fans vom Vorabend sind es zwölf Stunden später mehrere hundert Menschen geworden, die geduldig in der Morgensonne bis zur Sendlinger Straße Schlange stehen.

Mehr aus Computer & Technik:

Viele sind mitten in der Nacht um drei oder vier Uhr aufgestanden, um einen halbwegs guten Platz zu ergattern. Den Frühankömmlingen sind sie jedoch ein Dorn im Auge, wie der 25-jährige Christopher erzählt: "Die drängeln sich gerne mal vorne rein, beziehungsweise versuchen es. So ein Verhalten kann ich nicht ab." Unter den Campern hingegen herrscht eine gute, fast schon freundschaftliche Atmosphäre: "Man kennt sich schon von den Produkteinführungen zuvor", berichtet Balazs, der über sämtliche Vorgängermodelle des iPads verfügt und sie alle mitgebracht hat. "Da wird sich ausgetauscht, und wenn einer mal aufs Klo muss oder was essen gehen möchte, passen die anderen solange auf seinen Platz auf."

Das Warten als Event

Auch der 16-jährige Daniel war schon am Vorabend da: "Ich begleite einen Freund, der sich das Teil kaufen will. Ich selbst bin noch unschlüssig, das kostet für mich als Schüler ja schon viel Geld. Das Warten ist aber lustig, hat so eine Art Eventcharakter."

Dieser Eindruck wird eine halbe Stunde am Morgen noch durch die Apple-Store-Mitarbeiter unterstrichen, die die Wartenden kurz vor Verkaufsbeginn zu Sprechchören und Abklatschspielen animieren wollen - wenn auch nur mit verhaltenem Erfolg. Vielen steckt die kalte Nacht noch in den Knochen, dazu das stundenlange Stehen. Auch hatten nicht alle Campingstühle oder Decken dabei gehabt.

Im Apple Store hingegen herrscht geschäftiges Treiben. Die Mitarbeiter werden auf den nahenden Verkaufsstart eingestellt, Jubel, Klatschen und Anfeuerungsrufe dringen eine viertel Stunde vor Beginn aus dem noch geschlossenen Verkaufsraum.

Draußen ist von der Euphorie wenig zu spüren. Kamerateams und Reporter wuseln vor dem Platz herum, es werden Fotos gemacht, Leute interviewt und gefilmt.

Fünf Minuten vor Verkaufsbeginn stellen sich die Apple-Mitarbeiter im Gang des Geschäfts zu einem Spalier auf. Gleich geht es los. Doch kommt die größte Aufregung nicht bei den Apple-Fans, sondern bei den Journalisten auf. Ein Kollege reißt einen anderen auf der Suche nach dem besten Platz etwas ungehobelt zu Boden, was zu Wut und Geschimpfe führt.

Der Verkauf beginnt

Unter lautem Jubel der Apple-Mitarbeiter gehen dann um acht Uhr die Türen auf, und der erste Wartende darf sich sein neues iPad abholen, das er im Anschluss stolz der Journalistenschar präsentiert.Im Verlauf der nächsten 45 Minuten wird jeder Käufer einzeln hineingeführt, um sich sein Tablet abzuholen. Auffällig: Es kommt nicht zu Gemurre, Geschiebe oder Gedränge, alle warten artig, bis sie an der Reihe sind und von einem Apple-Mitarbeiter hineingeholt und durch den klatschenden und "Oh wie ist das schön"-singenden Spalier geführt werden. Viele filmen diesen für sie offenbar heiligen Moment - natürlich mit ihrem iPhone.

Die Meisten kommen mit zwei iPads aus dem Laden wieder heraus. Nicht nur deutsche Apple-Fans sind gekommen, viele stammen aus Russland, wo das neue iPad erst später auf den Markt kommen wird. Doch steckt angeblich nicht nur Fanliebe hinter der weiten Reise, wie einer der Wartenden berichtet: "In Russland kommt das iPad erst sehr viel später auf den Markt, und es kostet dort eklatant mehr Geld als hier. Darum machen viele einen Ausflug nach Deutschland, kaufen dort zwei Geräte und verscherbeln sie für drei- bis fünftausend Euro in ihrer Heimat."

Christopher und Balasz hingegen wollen das iPad für sich nutzen. Doch steht für sie nach dem Kauf des Tablets erstmal etwas ganz banales auf dem Plan: "Ich werde mich erstmal hinlegen, wenn ich zu Hause bin", sagt Christopher müde, und auch Balasz wird sich nach den Strapazen als erstes aufs Ohr hauen. Bereut haben sie das lange Warten aber nicht, und werden beim nächsten Mal garantiert wieder für Apples neuestes Produkt die Nacht zum Tag machen.

Einen Test des neuen iPads lesen Sie demnächst hier auf MSN.de.

Werden Sie sich das iPad holen? Diskutieren Sie mit uns und anderen Lesern auf Facebook oder hier in den Kommentaren.