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13 Dezember 2011 | Von Boris Schneider-Johne (jeb)

Schneiders Upstream: Daten auf Wolke Sieben

Nebel, Regen und am 13. Dezember immer noch kein Schnee - gut, dass auf die Datenwolken mehr Verlass ist als auf das Wetter. Was nutzt dieses "Cloud Computing" Menschen wie Ihnen und mir?


Es muss so vor knapp zehn Jahren gewesen sein, als die IT-Industrie das Stichwort "Cloud" das erste Mal in den Mund nahm. Und ich muss zugeben, dass ich ein paar Tage gebraucht habe, um zu kapieren, dass es nur ein fluffiges Wort für ein ganz einfaches Konzept ist. Stattdessen suchte ich nach einer tieferen Bedeutung, nach einem besonderen technischen Trick, der aus einem simplen Server eine Wolke macht.

Bis dahin gab es jedenfalls zwei Wege, seine Daten zu speichern. Entweder beim PC selbst, auf einer Diskette, Festplatte oder anderem Speichermedium, oder auf einem Server. Der nutzt zwar die gleichen Speichermedien, ist aber ein eigenständiger Computer und kann die Daten gleich mehreren PCs zur Verfügung stellen. In der Regel hatte man diese Server irgendwo in einer Firma aufgestellt, man besaß also die Hardware, auf der die Daten gespeichert waren.

  • Boris Schneider-Johne

    Boris Schneider-Johne war in seinem Leben schon Programmierer, Produzent, Übersetzer, Journalist, Pressesprecher und mehr. Sein aktueller Job ist der eines Produktmanagers für das Betriebssystem Windows, weswegen unter anderem stets die neueste PC-Hardware auf seinem Schreibtisch landet. Nebenbei betreibt er mit Kollegen aus den 80er Jahren den Spieleveteranen-Podcast und nimmt für msn selbstkritisch seinen Umgang mit der neuesten Technik unter die Lupe. (Bild: Boris Schneider-Johne)

Wie ein PC, der täglich stundenlang darauf wartet, dass der Benutzer endlich eine Taste drückt, sind aber viele Server auch nicht besonders ausgelastet. Trotzdem sind sie teurer als normale PCs, da besondere Anforderungen in Punkten wie Dauerbetrieb und Datensicherheit gegeben sein müssen. Das führte zum Konzept, viele Server in einem Rechenzentrum zusammenzufassen und zu "virtualisieren". Auf dem Server läuft dann ein Programm, welches so tut, als sei es ein Server. So können im kleinen Maßstab vier Hardware-Server so tun als seien sie 19 Server.

Nicht nur das: Wenn ein bestimmter Server kurzzeitig besonders dicke Aufgaben zu erledigen hat, machen die anderen achtzehn ihm virtuell Platz, so dass die komplette Hardware an der einen Aufgabe knobeln darf. Das könnte man jetzt klassisch "Rechenzentrum" nennen, hat aber in der Branche inzwischen den Namen "Private Cloud" bekommen.

Ich glaube, der Wolkenbegriff kommt daher, dass man seine Daten nicht mehr richtig greifen kann - sie sind dynamisch irgendwo auf diesen vier Servern und nicht mehr einem bestimmten Prozessor fix zugeordnet. "Private" bedeutet, daß diese Wolke immer noch einem Menschen oder einer Firma gehört (eben in Form dieser Hardware) und daher voll kontrolliert und abgesichert sein kann.

Öffentliche Wolken

Richtig spannend ist die Datenwolke aber in Form der "Public Cloud". Das sind riesige Rechenzentren - wir reden hier von tausenden von Hardware-Servern, die mit dem Internet verbunden sind, und auf die jederman mit dem richtigen Passwort zugreifen kann. Die Idee dazu ist eigentlich uralt - wer E-Mail benutzt, macht schon Cloud Computing, da die Email auf einem Email-Server gespeichert wird, bis mein lokaler PC sie abruft; auch das eigentliche Versenden und Empfangen der E-Mail macht der Server, mein E-Mail-Programm gibt nur den Auftrag dazu.

Eine Stufe weitergedacht ist der Server selbst auch das E-Mail-Programm. Für mein Hotmail-Konto brauche ich nur einen halbwegs aktuellen Webbrowser und kann nach dem Öffnen der Webseite nicht nur lesen und schreiben, sondern auch sortieren, Spam-Filter nutzen, automatische Regeln ausführen lassen, einen Kalender und ein Adressbuch verwalten und so weiter.

90% der Intelligenz liegt im Rechenzentrum - von dem ich nicht mal genau weiß, wo es eigentlich ist. Das Internet ist eine Datenwolke, die ich zwar aus der Ferne sehen kann, aber der genaue Ursprung der Schneeflocke, die gerade den Boden erreicht, bleibt mir immer verborgen.

E-Mail beschreibt schon gut die zwei grundlegenden Dinge, die ein Server für mich machen kann: Daten speichern und Daten verarbeiten, ohne dass mein PC was dabei tun muss. Ein extrem praktisches Beispiel dafür ist Skydrive, eine Online-Festplatte mit 25 Gigabyte (GB) Speicherplatz, die aber gleichzeitig jede Menge Intelligenz mitbringt. Am praktischsten sieht man das am Thema Fotos.

In diesen Ordner auf meinem Skydrive habe ich beispielsweise ein paar Bilder von einem Ausflug auf das Dach des Olympiastadions gelegt. Skydrive ist aber eben nicht nur ein dummer USB-Stick in der Cloud, sondern zeigt diese Bilder in Übersicht oder Diashow an, ich kann die Originalgrößen herunterladen, Abzüge bestellen und sie "freigeben" - wer den Internet-Link hat, darf die Bilder sehen. Und wenn ich einem Bekannten Fotos digital zuschicken will, wird dank einer Kombination aus Hotmail und Skydrive die eigentliche Mail sehr klein (nur mit Mini-Vorschaubildern), mit automatischem Link auf die Originalgrößen.

Wirf den USB-Stick weg

Wenn mich Bekannte fragen, was man denn mit so einem Skydrive außer Bilder zu verschicken noch machen kann, wird das ein abendfüllender Vortrag. Beispielsweise gibt es dort "Webapps" für die wichtigsten Komponenten aus Microsoft Office. Eine Excel-Datei in meinem Skydrive kann im Webbrowser bearbeitet werden, und das noch von mehreren Leuten gleichzeitig (sofern sie freigeschaltet sind). Gemeinsames Arbeiten an einem Dokument macht zum Beispiel eine Party-Organisation leichter, weil jeder gleich abhaken kann, worum er sich schon gekümmert hat. Und keiner muss sich Excel gekauft haben, da alle Funktionen im Webbrowser ablaufen.

In einem nicht öffentlich freigegebenen Ordner habe ich Scans und Fotos meiner wichtigsten Dokumente gespeichert. Personalausweis, Reisepass, Führerschein, Geburtsurkunde, und so weiter. Das ist zum einen absolut diebstahlsicher, da selbst wenn jemand meine Wohnung komplett ausräumt, die Daten immer noch auf dem Skydrive liegen. Auch im Urlaub wäre das praktisch (zum Glück habe ich es noch nie gebraucht), wenn dort Papiere verloren gehen. Mit einem Internetbrowser kann ich in der deutschen Botschaft in Jakarta zumindest mal die Kopien aufrufen.

Am praktischsten ist Skydrive aber als Schutz vor der eigenen Dummheit. Ich habe ungezählte Male ein Dokument für "Heimarbeit" auf einen USB-Stick kopiert und diesen dann doch im Büro liegen lassen (oder umgekehrt). Und zum Glück ist mir noch nie die peinlichere Variante passiert: Einen USB-Stick mit persönlichen Dokumenten zu verlieren, die der Finder dann vielleicht missbrauchen könnte.

Cloud Computing ist also auf der einen Seite ganz einfach und nicht wirklich was neues (Server halt...), auf der anderen Seite aber aufgrund der schieren Größe und Rechenleistung der Wolke dann doch etwas, was mein tägliches Leben ein klein wenig einfacher gemacht hat.

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Mehr zum Thema Skydrive finden Sie hier: Windows Live bei Microsoft Trends.

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