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7 März 2012 | Von Boris Schneider-Johne (jeb)

Schneiders Upstream: Das jährliche Grauen

Zweimal mußte unser Kolumnist aussetzen, um sich auf das jährliche Großereignis der CeBIT vorzubereiten. Diese Woche meldet sich Boris Schneider-Johne live vom Microsoft-Stand in Hannover.


Ich sitze am Montag, dem "Tag Null", in einem der Meetingräume auf dem Microsoft-Stand und versuche verzweifelt, im Hintergrund eine kurze Suchanfrage loszuwerden. Nirgendwo auf der Welt ist gerade mehr High-Tech versammelt, als im Quadratkilometer um mich herum. Und nirgendwo sonst auf der Welt ist man nicht funktionierender Technik derart hilflos ausgeliefert.

  • Boris Schneider-Johne

    Boris Schneider-Johne war in seinem Leben schon Programmierer, Produzent, Übersetzer, Journalist, Pressesprecher und mehr. Sein aktueller Job ist der eines Produktmanagers für das Betriebssystem Windows, weswegen unter anderem stets die neueste PC-Hardware auf seinem Schreibtisch landet. Nebenbei betreibt er mit Kollegen aus den 80er Jahren den Spieleveteranen-Podcast und nimmt für msn selbstkritisch seinen Umgang mit der neuesten Technik unter die Lupe. (Bild: Boris Schneider-Johne)

Die Rede ist natürlich von der CeBIT, der größten Computermesse der Welt, einem Moloch, der hunderttausende Besucher anzieht und dessen wahre Größe man aus der Ferne am besten erfasst, wenn man realisiert, dass es zwei unterschiedliche Buslinien auf dem Messegelände gibt, die Menschen von Halle zu Halle fahren. Und einen Expressbus. Und einen Shuttleservice für Aussteller. Und noch einen Shuttleservice für Presse. Da man mit Turnschuhen nicht so gerne auf der Messe gesehen ist (ich nehm mir hier für die letzten Tage, wenn die Geschäftsleitung schon weg ist, eine gewisse Narrenfreiheit heraus), kann man nur motorisiert den Terminen Herr werden, die zwischen Halle 14 und Halle 4 wechseln.

WLAN brutal

Zwei Absätze geschrieben und immer ich warte immer noch auf das Ergebnis der Suchanfrage. Hier in Halle 4 gibt es WLAN. Ganz viel WLAN. So viel WLAN, daß einem die Dialogbox platzt, wenn man sich eines aussuchen muß, mit dem man connecten will. Ich habe die berühmten "vier Balken" Empfangsstärke mit unserem Stand-WLAN, aber die Stände um uns herum strahlen auch Bits in den Äther.

"Wififairgrounds Code:12345678" liefert den WPA Schlüssel im Namen gleich mit. Eine Nah-Tod-Erfahrung verspricht mir "WegInsLicht". Unter "Free Public WiFi" liegt ein P2P-Netzwerk - will da jemand Passwörter phishen? Einsame Router melden sich mit "dlink" und "rack1", dann hätte ich noch "poolsound666", "4Screen6", "GameStop" (hmm, Gebrauchtspielanundverkauf?), und Klassiker wie "WLAN-100CF452A6A0" anzubieten. Oder zynisch-bekloppt "emobility2go". Und noch fünfzig mehr.

Soviel Strahlerei ist, wie wenn Sie zwischen 25 Feuerwehrmännern mit Megaphonen stehen und jeder unterschiedliche Anweisungen brüllt, wie Sie aus dem brennenden Haus rauskommen. Sie verstehen kein Wort und denken darüber nach, wie praktisch doch die sofortige Feuerbestattung wäre. Oder auf die CeBIT übertragen - unsere IT-Abteilung hat für viel Geld eine Zig-Megabit-Standleitung an den Stand gelegt, von der nicht mal ein Kilobit pro Minute auf meinen PC tröpfelt. Sobald ich auf den Senden-Knopf in Outlook drücke, setzt ein stundenlanger Prozess ein, diese Kolumne an die Kollegen bei msn zu schicken.

Eine Brieftaube wäre schneller.

Warum bin ich eigentlich hier? Messen sind ein seltsamer Anachronismus. Vor zwanzig Jahren bin ich zu Messen gefahren, um als Erster neue Produkte zu sehen. Heutzutage kann man das im Internet viel bequemer machen. In dem Lärm sind B2B Verkaufsgespräche auch eher eine Test, wer den stärkeren Willen hat. Am Samstag sind die Hallen mit Besuchern knallvoll, so dass man die wirklich interessanten Sachen kaum sehen kann und die Zeiten der tollen Werbegeschenke sind dank der weltweiten Rezession eh vorbei; selbst die Tütensammler machen von Jahr zu Jahr weniger Beute. Warum also herkommen?

Bühnenzauber

Ich könnte für mich pikant antworten „Mein Arbeitgeber zwingt mich", aber ich bin tatsächlich freiwillig hier. Ich stehe dieses Jahr jeden Tag sechs mal auf unserer großen Bühne („Center Stage") und präsentiere Produkte mit einem vier Meter hohen und 15 Meter langen (!!!) LED-Touchscreen, mit Moderator und einer dreiköpfigen Band. Das geht im Büro nicht und auch nicht auf der lokalen Kleinkunstbühne, die mich endlich mal buchen sollte; für solche Momente muß man sich auf die Gigantomanie einer CeBIT verlassen. Und deswegen bin ich dann irgendwie doch gerne hier. Außerdem sehe ich sowohl alte Bekannte aus 25 Jahren gemeinsamen Messeleid sowie, nicht zu vergessen, Kunden. Nennt mich sentimental, aber wenn ich einem Menschen mit einem PC Problem helfen kann und der dann meint „Jetzt hat sich der Eintrittspreis gelohnt", wird mir immer noch warm ums Herz. Schließlich habe ich gerade diesem Menschen die weiten Wege, lauten Hallen und das miese Messeessen versüßt.

Meine Suchanfrage ist übrigens endlich durch. Ich wollte eigentlich zum Start der Kolumne dem Internet-Meme nachgehen, wenn man "Langweiligste Stadt Deutschlands" bei Google oder Bing eingibt, würde Hannover ausgespuckt. Wird aber gar nicht. Zwar ist der erste auf dem Bildschirm lesbare Städtename tatsächlich Hannover - aber nur als zweiter Sieger einer Umfrage. In den verlinkten Artikeln gewinnt Nürnberg den Pokal. Was mich sehr wundert - die haben doch diese extrem spannende Spielwarenmesse. Da muß ich mal wieder hin. Auf der funktioniert garantiert auch das WLAN in Halle 4.

Mehr zum Microsoft-Stand auf der CeBIT finden sie hier.

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